Thesen

<< Hätte es GAR keine Bauzäune und Sperrungen gegeben, wäre das Unglück nicht passiert. >>

Was meint ihr…?

52 Comments

  1. klaus
    Posted 29. Juli 2010 at 21:14 | Permalink | Antworten

    doch, hätte es wahrscheinlich trotzdem. weil damit trotzdem die Situation des Nadelöhrs: eine wand, an der aus zwei richtungen menschen aufeinanderströmen, die ohne ausschilderung eine 90 grad wendung machen müssen – und denen aus der 90grad wendung heraus menschen entgegenströmen und das alles zwischen tunneln und hohen mauern eingezwängt.

    • Posted 29. Juli 2010 at 22:49 | Permalink | Antworten

      Ich glaube, so sicher ist das nicht. Denn dann hätten bestimmt viele einen anderen Weg genommen, wären z.B. im Norden ins Gelände gegangen oder über die gesperrte Autobahn. Dass sich alle an einer Stelle stauten, lag ja gerade an den ganzen Zäunen, die alle gezwungen haben, denselben Weg zu nehmen…

  2. Posted 29. Juli 2010 at 22:03 | Permalink | Antworten

    Das Problem waren die hohen Wände an der Rampe, dass man vor sich nur den Tunnel hatte und hinter sich die ganzen Menschen die noch bei den Floats standen. Nur nach oben hin war es frei, deswegen benutzten die Leute die Treppe. Eigentlich wäre da, wo ich stand noch Platz gewesen. Ich stand auf der oberen Hälfte der Rampe. Die Zäune hatte man schnell eingerannt. Nur war die Verletzungsgefahr dabei hoch. Ich zerbreche mir ständig den Kopf darüber, warum die Leute zur Treppe drängten.

    • Posted 29. Juli 2010 at 22:06 | Permalink | Antworten

      Sie drängten zur Treppe, weil dies als der einzige echte Ausweg erschien. Einen Mast hochklettern wollten viele nicht, und zur Rampe hoch sah es aus als ob zu ist (bzw. war es ja auch von 16:01 bis 16:40).

    • Posted 25. August 2010 at 21:10 | Permalink | Antworten

      Ich denke mal das viele auch garnicht gesehen haben wo sie sich grad befanden, nen Kumpel von mir sagte selbst das du um dich herum garnichts registriert hattest und dann einfach mit dem Strom „geschwommen“ bist.

  3. Posted 29. Juli 2010 at 23:33 | Permalink | Antworten

    Ich frage mich dann immer, ob wir die Leute, die in Richtung Treppe drängten, hätten rufen können. Hätten wir sie darauf aufmerksam machen können, dass auf dem oberen Teil der Rampe noch Platz war?

    • Posted 30. Juli 2010 at 01:12 | Permalink | Antworten

      Liebe Patricia,

      Ich denke auch, dass hier EIN einziges Megaphon wohl hätte viele Menschenleben retten können.
      Man hätte die Treppe zusperren sollen, per Megaphone sagen, dass oben alles frei ist und sie bitte warten sollen, bis die Leute hochgegangen sind und dann per Megaphone alle aufrufen, nach oben wegzugehen (auch die Heimkehrer – sie sollen einen anderen Ausgang nehmen) und über sogennante Pusher die Leute nach oben wegtreiben – zuerst die oberste Schicht, dann die nächste, und so weiter.
      Aber all das hat man nicht gemacht. UN-fucking-believable!

      LG
      Martina

      • Marc
        Posted 30. Juli 2010 at 01:55 | Permalink | Antworten

        Exakt das wäre die letzte Möglichkeit, die Leute noch zu retten.
        Die Vorgehensweise im Notfall muss aber vorher ausgearbeitet und den Ordnern und Polizisten vor Ort auch mitgeteilt werden. Beiden war bekannt, dass die Rampe das Nadelöhr ist und es dort zu Stauungen kommen könnte. Das dabei die Treppe erstürmt werden könnte, war also ein nahe liegende Vermutung. Es wird daher eines der vielen unbeantworteten Fragen bleiben, weshalb die Maßnahmen kurz vor der Tragödie so chaotisch und auch kontraproduktiv waren.
        Die Helfer vor Ort waren überfordert, das kann man deutlich sehen. Sie hatten offensichtlich mit einer solchen Eskalation der Situation nicht gerechnet. Dabei war es klar, dass die Leute genau diese Fluchtwege nehmen werden. Der Veranstalter und die Polizeiführung hätten einfach viel besser auf solche Notfallszenarien vorbereitet sein müssen.

        Ich bin traurig, schockiert und wütend. Das Unglück war vermeidbar, es hätte nicht passieren müssen.
        Ich hoffe, dass die Verantwortlichen gefunden und bestraft werden. Und wenn deine tolle Arbeit hier dazu beiträgt, das wäre eine gute Sache.

      • Käpt'n Bär
        Posted 1. August 2010 at 19:35 | Permalink | Antworten

        Mit einem etwas besseren „Schulter-Megaphon“ hast Du bei solche einer Menschenmenge eine Reichweite von ca10m in denen die Ansagen zu verstehen sind. (Wenn sie denn ruhig genug vorgetragen werden und die AnsagerIn mit dem Gerät umzugehen versteht.
        Ich habe Erfahrung im Umgang mit solchen Megaphonen in grossen Demos. Habe schon mehrfach extrem eskalierte, aggressive Situationen beruhigen können. Und auch ich bin davon überzeugt, daß ich die Katastrophe an der Treppe damit verhindert hätte.
        Der „Trick“ ist: In der verdichteten Menge können nur alle gemeinsam diese unvorstellbar schubstarke Bewegung nach vorne stoppen, und dazu braucht es eine Koordinierung.(Es sind ja alle guten Willens)
        Wie wir sehen: Wenige Meter hinter den um ihr Leben kämpfenden ist den Menschen die tödliche Energie vorne gar nicht bewusst.

      • Posted 25. August 2010 at 21:14 | Permalink | Antworten

        Ich denke auch mal, das keiner von den normalen Polizisten sich getraut hat in der Hinsicht zu warten. Dort funktioniert es nicht anders als beim Bund auch. Selbst in ner Gefahrensituation wartet man drauf das der Vorgesetzte bescheid gibt. Ich habe selbst jahrelang im Knast gearbeitet, wie viele Kollegen bei Stress bzw. einer Gefahr so wie gelähmt waren und nicht in der Lage waren etwas zu machen. Echt schlimm, wobei ich hier jetzt niemanden gut reden möchte. Ich bin der Meinung wer in so einem Job arbeitet, dementsprechend geschult und psychisch stabil sein sollte.

    • Daphne
      Posted 30. Juli 2010 at 01:16 | Permalink | Antworten

      Das haben ja viele per Handzeichen und rufen versucht… aber es war alles zu laut und zu chaotisch… ich frage mich, ob es zu dem Zeitpunkt Sinn gemacht hätte, die Musik für Durchsagen zu unterbrechen oder hätte das alles nur schlimmer gemacht? Ich erinnere mich an das 1000. Konzert der Toten Hosen im Rheinstadion Düsseldorf… dort war das Gedränge vorne auch zu groß und 1 Mädchen wurde zu Tode gedrückt. Da wurde auch unterbrochen, um Durchsagen zu machen, das Konzert ging dann aus Sicherheitsgründen aber auch weiter.

      • Posted 30. Juli 2010 at 01:51 | Permalink | Antworten

        Ja, ich denke, das hätte man machen müssen. Ich sage aber gleich, dass man unten kaum etwas von einer solchen Durchsage verstanden hätte. Dazu musst du nur einmal zwei Videos vergleichen, die zur gleichen Zeit passieren, einmal von oben beim Mast – man hört Musik – und dann unten im Gedränge – man hört nur noch Lärm, aber keine Musik. Genauso bei Lautsprecherwagen: Schon ab 20 Meter Abstand versteht man nix mehr. Deswegen muss für solche Fälle eigentlich der gesamte Engbereich mit vielen Lautsprechern ausgestattet werden, um Durchsagen machen zu können, die auch wirklich jeder versteht. Aber das kostet natürlich Geld, was man sich sparen wollte. Pfui Deibel!

        Ebenso wie gute Durchsager! Das ist nämlich gar nicht so einfach, das ist eine hochspezialisierte Ausbildung innerhalb der Polizei, die kaum ein Polizist machen möchte, weswegen es zu wenig Ansager gibt. Weil wenn die Stimme, Formulierung und Betonung falsch ist, ist sie entweder schwer zu verstehen oder erzeugt eher mehr Unmut und Aggression, als dass die Leute die Sache verstehen und tatsächlich nach oben auf die Rampe umkehren.

        Tjaja…😦

  4. HansJ
    Posted 29. Juli 2010 at 23:51 | Permalink | Antworten

    Ich kann nur sagen furchtbar furchtbar hinterher weiss man vieles besser (oder wa sman evtl hätte machen können)…mir tun die Angehörigen so leid
    Vielleicht hätten einfach nur ein paar Megafone mehr geholfen..aber vielleicht war es auch nur eine so scheiss
    Situation das es sich gar keiner hat vorgestellt das sowas dann wirklich passiert ..ok es wurde gewarnt aber das es wirklich heutzutage passiert

    • Posted 30. Juli 2010 at 01:38 | Permalink | Antworten

      GENAU! Ich glaube auch, ein einzelnes Megaphon schon hätte verdammt Menschenleben retten können😦
      Man merkt halt immer wieder: Die Psychologie ist das entscheidende. Denn nur weil die Leute sich auf Teufel komm raus zur Treppe bewegten, ohne zu wissen dass auf der Rampe oben frei ist, kam es zu dem starken Druck, der die Brustkörbe abdrückte und die Atmung verhinderte. Ein bisschen Kommunikation hätte alles auflösen können…
      😦

  5. rstockm
    Posted 30. Juli 2010 at 12:18 | Permalink | Antworten

    „Überhaupt keine Absperrungen“ hätte bedeutet: freier Zugang auf die Autobahn (die dann als Zugang für Polizei/Rettungskräfte ausfällt), auf die Gleise (gefährlich) und alle Böschungen (ebenfalls gefährlich da steil). So ein Konzept hätte man NIE durchbekommen – gefährliche Areale nicht abgesperrt und keine freie Anfahrtswege für Rettungskräfte.

    Was einmal mehr zu der Erkenntnis führt: das Areal an sich war schlicht ungeeignet, wie man es auch dreht und wendet.

  6. Roland
    Posted 30. Juli 2010 at 13:07 | Permalink | Antworten

    Hätte man die Treppe konsequent und mit 5-6 Ordnern für alle sichtbar blockiert, hätte es wohl auch einen Anreiz für die Masse gegeben, sich dahin zu orientieren.
    Meinen Informationen zufolge sind sämtliche Tote an bzw um die Treppe herum zu beklagen. Wäre diese schon im Vorfeld sichtbar blockiert gewesen, hätte die Masse sich zum oberen Ende der Rampe orientiert und dort „Druck“ gemacht, vielleicht weniger tragisch.

    Die Ordner meinten es gut über die Treppe Leute abzulassen, verstärkten imho aber den Druck der Masse damit noch weiter.
    Dies ist keine Entschuldigung/Relativierung für den Stau auf der Rampe und im Tunnel.

    • Deftone
      Posted 30. Juli 2010 at 14:15 | Permalink | Antworten

      Das denke ich nicht. Meiner Meinung nach hätte die Treppe nur dann geschlossen werden dürfen wenn im Gegenzug die ABsperrung zuM Hauptgelände hin offen gestanden wäre.
      Offenbar hatten die Ordner und Polizisten an der treppe aber keinen Kontakt zu den Ordnern an der Rampe? Jedenfalls ist mir beim schauen der Vieos aufgefallen wie Lagsam die Order die Leute an der Treppe haben hochkommen lassen. Teilweise war sie ja sogar blockiert. Wäre ich als ordner da gewesenn hätte ich über Funk ein Megaphon geordert und die öffnung der Absperrung an der Rampe gefordert. Während ich darauf warte, hätte ich soviele Menschen wie möglich anch oben gelassen, weil es ohnehin undmöglich sit,s ei vom Weggehen zu überzeugen und zudem heulend und bettelnd viele davr standen und nach oben wollten…

      Ich denke Die Polizei hat hier absolut versagt und nicht nur Verantalter und OB.

      • Roland
        Posted 30. Juli 2010 at 14:49 | Permalink | Antworten

        Wenn die Treppe aber kein „Ziel“ gewesen wäre, hätten die Leute dort nicht hingedrängt. Die Treppe aufzumachen hat den Druck der Masse ja noch weiter bestärkt!

      • Posted 31. Juli 2010 at 15:14 | Permalink | Antworten

        Richtig, Roland, ich denke da ist absolut was dran,.

        Letztlich hätte man wohl beides gleichzeitig machen sollen: Die Treppe mit Entschiedenheit sperren und sofort erkennen, dass die Leute endlich Raum brauchen, eine Durchsage machen, dass man die oben den Weg versperrenden Besucher evakuiert und es dann weitergeht, man sich bitte solange gedulden solle und Musik bekomme – und dann Musik anmachen und gleichzeitig durch effektive Polizeiketten bei den Tunnelein- und Ausgängen verhindern, dass noch mehr Druck nachkommt.

        So hätte man eine gewisse „Verschnaufzeit“ gehabt, um die oben den Weg versperrenden Leute zu „evakuieren“ – ebenfalls mit Durchsagen und Pushern.

        Aber noch besser wäre es natürlich von vornherein, ein besseres Gelände zu haben, bei dem solche Probleme gar nicht erst auftreten wie mit dem Rampenausgang, der direkt in den Truck-Zuhörbereich endet und nicht seitlich verlassen werden kann wegen der dämlichen Bauzäune (die ja immerhin klugerweise recht bald von den Leuten umgestoßen wurden).

  7. MatthyK
    Posted 30. Juli 2010 at 15:16 | Permalink | Antworten

    Wie man mittlerweile weiß, war die Rampe nur bis etwa 16:30 durch eine Polizeisperre blockiert, danach blockierten sich die verdichteten Menschenmassen, der zum Ausgang strömenden und der zum Gelände strömenden ausschließlich gegenseitig im Bereich der ohnehin schon verengten Rampe.

    Siehe diese beiden detailierten Rekonstruktionen:
    http://www.bild.de/BILD/news/2010/07/29/loveparade-duisburg-beweis-fotos/so-lief-drama-wirklich-ab.html
    http://www.faz.net/s/RubCCB49507459C498F8E6FA9E990486D14/Doc~E22C5B69612CB48868FF4F9A0C0568144~ATpl~Ecommon~SMed.html

    Entspannung brachte letztendlich, die Rampe bereits oben für die rauswollenden Menschen zu sperren und das die zum Ausgang strömende Menschenmasse auf der Rampe irgendwann soweit abgeflossen war, dass sie die in umgekehrter Richtung strömende nicht mehr blockierte.

    Hinterher muss man sagen, dass das abgestimmte Konzept (Einziger Ein- und Ausgang nicht baulich getrennt in Verbindung mit temporären Sperren zur Einlasskontrolle) bei diesen Besucherströmen in der Praxis nicht funktioniert. Meines Wissens war das auch das erste Mal, dass man das bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung versuchte.

    • Posted 30. Juli 2010 at 16:50 | Permalink | Antworten

      „Wie man mittlerweile weiß, war die Rampe nur bis etwa 16:30 durch eine Polizeisperre blockiert“

      – die Bild-Zeitung behauptet das, aber gibt es dafür auch einen Beleg?

      „Entspannung brachte letztendlich, die Rampe bereits oben für die rauswollenden Menschen zu sperren und das die zum Ausgang strömende Menschenmasse auf der Rampe irgendwann soweit abgeflossen war, dass sie die in umgekehrter Richtung strömende nicht mehr blockierte.“

      – Ja, das erscheint mir zutreffend.

    • Posted 31. Juli 2010 at 15:17 | Permalink | Antworten

      Siehe auch dieses Video, das eindrucksvoll demonstriert, wie das Öffnen der Sperre für die weggehenden Leute m.E. auch kontraproduktive Effekte hatte (noch mehr Drängen):

      http://www.youtube.com/watch?v=so6-7Ezeo3U

      Es sorgte zwar letztlich – spätestens gegen 16:50 – dafür, dass Platz wurde, weil die Heimgeher nach und nach abflossen, wie du es zurecht festgestellt hast — ABER! es sorgte auch unmittelbar für mehr Druck für die Leute an der Treppe. Und was da einmal aufgebaut wurde, ließ dann leider auch nicht mehr nach, selbst dann nicht, als eigentlich Platz geworden war.

  8. Kai
    Posted 30. Juli 2010 at 15:17 | Permalink | Antworten

    die Zäune und Absperrungen waren das grundlegende Übel, da dadurch alle Leute gezwungen waren, den gleichen Weg zu nehmen, nicht in die stadt konnten etc. … und warum gan es die Zäune? Damit ja alle Besucher sich die teuren Getränke auf dem Veranstaltungsplatz kaufen müssen. Wie Vieh hingekarrt, zum Veranstaltungsplatz zur Massenabfertigung nebst Geldabnahme getrieben und das alles, weil der Veranstalter so viel Kohle wie möglich scheffeln wollte. Hätte es innerhalb der Stadt noch kleinere Bühnen gegeben, wäre das Ganze entzerrt worden und die Leute hätten sich verteilt. Aber das wollte man nicht, man wollte alle ins Party-KZ treiben. Widerlich!!!

    • HansJ
      Posted 30. Juli 2010 at 16:09 | Permalink | Antworten

      Aus Veranstalter Sicht ist es Ihm nicht zu verübeln hätte evtl jeder so gemacht denke ich Nur im Nachhinein ist man wie immer schlauer leider leider

      Das ist wie mit den Flugzeugabstürzen die NTSB versucht rauszuebkommen was passiert gibt Empfehlungen um zu hoffen das es dann nicht mehr eintrifft also genau dieser Fehler oder diese Panne
      ABER es muss leider erst einmal was passieren

      Mit unserem heutigen Wissen wäre viele (oder einiges) anders gelaufen das ist klar

    • B. Traver
      Posted 30. Juli 2010 at 21:57 | Permalink | Antworten

      @Kai: Das ist inkonsequent! Einerseits wird allüberall gefordert, dass der Veranstalter mehr Geld für mehr Ordner und für Lautsprecher für Durchsagen hätte ausgeben müssen. Dieses Geld muss er aber ja irgendwie auch erwirtschaften – eben über den Verkauf von „überteuerten“ Getränken vor Ort. Die Getränke sind aber nicht überteuert, sondern in ihnen ist eben auch der Preis für die Veranstaltung enthalten. Denn Eintritt darf es natürlich auch nicht kosten, alles muss umsonst sein! Mit so einer Gratis-Mentalität ist Sicherheit nicht bezahlbar.

      Das entlastet natürlich den Veranstalter nicht: Wenn er das Geld für die Sicherheit nicht hat, hätte er die Veranstaltung absagen müssen, anstatt Tote in Kauf zu nehmen!

      • Posted 31. Juli 2010 at 07:10 | Permalink | Antworten

        Da ist natürlich was dran.
        Man muss dazu aber auch sagen, dass Schaller nie damit gerechnet hat, Geld zu verdienen, sondern das als vergleichsweise günstiges Marketing für seine McFit Kette nutzen wollte, d.h. der Deal ist so: Er zahlt und dafür wird er bekannt.
        Nun ja, wo die Versäumnisse letztlich genau lagen, werden die Ermittlungen der StA hoffentlich noch klären. Da ist ja z.B. eine Frage wer wann wem was angeordnet hat und warum und dergleichen.

      • Posted 31. Juli 2010 at 08:10 | Permalink | Antworten

        Noch eine Ergänzung zu den Bauzäunen auf der ganzen Strecke: Schaller meinte dazu, dass er als Loveparade-Veranstalter das so NICHT wollte, sondern dies sei eine Anordnung des Ordnungsamtes gewesen. In früheren Jahren wurde bei der Loveparade ja meist kaum mit Zäunen abgesperrt, das war schon ein echtes Novum. Sicherlich auch dem speziellen Gelände geschuldet (Bahnstrecke, Autobahn) – aber nicht nur. Denn die Straßen hätte man nicht zwingend absperren müssen. Aber die Stadt wollte halt die ganzen Besucher möglichst wegsperren wie in einen Zoo und damit den Dreck usw. vom Rest der Stadt fernhalten.
        Und die ganzen Zäune auf dem Veranstaltungsgelände (auf der Hauptrampe z.B.) lassen sich damit auch nicht entschuldigen, die sind ganz klar in der Verantwortung des Veranstalters.
        Und wiederum die Polizeiwagen, die zusätzlichen Platz wegnehmen, die sind wohl in der Verantwortung der Polizei.
        Und so hat halt jeder seinen Anteil….

      • Daphne
        Posted 31. Juli 2010 at 22:21 | Permalink | Antworten

        Geld verdienen in dem Sinne nicht – aber Schaller wollte Geld einsparen – unddas auf Kosten der Sicherheit…

    • Berliner
      Posted 23. August 2010 at 04:48 | Permalink | Antworten

      @Kai
      Die Stadt Duisburg hat mit der Einzäunung 2 Dinge sicherstellen wollen:
      1. Privatgelände – Veranstaltungsgelände.
      Heist auch, Veranstalter haftet für die dortigen Schäden etc.

      2. Zugangsgangsgelände, Wegebegrenzung – Eine Entzerrung war nicht geplant und nicht gewünscht. Die Kosten für die Stadt sollten so gering wie möglich gehalten werden.

      3. Notwendige Schutzzäunung für Bahngleise etc.

      Nebenbühnen in der Stadt:
      http://www.raveline.de/news/das-duisburg-desaster-polizei-gegen-stadt-weitere-stimmen/
      Es gab eine Bühne und warum es es keine weiteren gab

      Zitat: „Wie wir gegen Abend erfahren haben, wollte die Stadt mehr Bühnen um das Gelände aufbauen, um die Leute die sowieso nicht auf das Gelände gepasst hätten, zu animieren. Dies hat die Polizei nach Angaben der Stadt jedoch kompromisslos abgelehnt.“

      ———————
      videosevenD
      Interview mit Hanns-Ludwig Brauser, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH zum Marketingwert der LP: http://www.ruhrnachrichten.de/anzeigen/sonderveroeffentlichungen/dortmund/osvrn/loveparade/art10028,310673
      (leider ohne Datumsangabe, aber mit Sicherheit VOR der LP aufgezeichnet)

      Mit Sicherheit vorher, denn der Brauser ist glaub ich Anfang des Jahres verstorben.

      btw. Ich sehe gerade das diese Seite noch viel länger ist und erstmal lesen muß)

  9. Falk
    Posted 31. Juli 2010 at 06:33 | Permalink | Antworten

    Hier können natürlich nur subjektive Eindrücke stehen. Wenn Sauerland sich heute auf 75 Mitarbeiter rettet, mag das wohl auch sein und es entzieht sich meiner Kenntniss, Schramme ist ja auch nicht alleine die LoPavent, und braucht derartige Krücken nicht zu erwähnen. Ich möchte hier niemanden in Schutz nehmen, aber auch niemanden anklagen. Natürlich gehen Besucher solcher Veranstaltungen evtl auch durch Alkohol und Drogen belastet ins rennen-mag sein, das dieses erste billige Statement des Polizeichefs sogar bei Eva Hermanns auf fruchtbaren Boden stiess. Fakt ist: Man muss die Verantwortung für so etwas übernehmen, wenn man es durchziehen will. Und das gilt für alle Beteiligten, die sich ja genauso ihren Pimmel hätten vergolden lassen, wenn es keinen unbequemen Vorfall gegeben hätte.
    Der Einzige, der meiner Sicht wirklich leidet unter seiner Reue ist Schrammer. Was genau, und wer genau, ist dabei hinfällig. Sie waren alle daran beteiligt -ich enthalte mich sogar meines persönlichen Gefühls zu der Einrichtung dort. Schlimm ist, das alle tuen und lassen können, was sie wollen, und das es egal ist, welche Reglementarien es dazu bereits gibt, im ernstfall wird eh alles über Bord geworfen. Gesetze sind scheinbar nur für die kleinen Leute/Veranstaltungsstätten gemacht. Natürlich lässt sich in einem derartig grossen Rahmen manchens etwas anders berechnen, aber manches ist halt einfach Physik.

    „Sendung mit der Maus für Veranstalter: Wenn ich von zwei Seiten eines Tunnels mit gleicher Geschwindigkeit Wasser einfülle, kann ich am Austritt in der Mitte nicht mit der Vernunft des Wassers kalkulieren“ Gegenverkehr hier mal ganz ausser Acht gelassen.

    Mein ehrliches Gefühl: So ein Fitness-Popanz und seine Stadt-Chefs, die über einen Kegelclub hinaus nie Besucht wurden, die nichtmal einen reellen Fussbalverein aufweisen können, an dem sie im kleinen hätten üben können, wie man mit Menschen umgeht, solchen Leuten muss man Helfen, und sie müssen sich Helfen lassen. Da waren viele Menschen am Werk, die mit Veranstaltungen absolut unerfahren sind. Schrammer war da wahrscheinlich das Highlight, aber selbst der ist ja nichtmal Veranstaltungstechniker… wieso hören solche Leute so schön aufeinander und schalten alle berechtigten Einwände aus?

    Die einzige reele Antwort darauf ist wieder einmal:

    Weil es innerhalb der CDU auch anders geregelt werden kann…

    Nu regelt mal, ihr Christen. Eva Hermanns hatts euch ja schon erklärt, was da falsch lief…

    • Posted 31. Juli 2010 at 08:18 | Permalink | Antworten

      „aber manches ist halt einfach Physik“

      Manches, ja. Aber bei diesem Unglück hatte meines Erachtens einen noch viel größeren Anteil die Psychologie. Denn wie Videos von 16:55 Uhr zeigen ja, dass im Grunde Platz war – bloß die Leute stürmten weiter alle auf die Treppe, weil sie nur noch dieses eine Ziel vor Augen hatten (Tunnelblick) und es auch kaum besser wissen konnten. Es gab keine Kommunikation, die das hätte umbiegen können.
      Das ist m.E. viel entscheidender als mathematische Berechnungen. Die Menge an Leuten, die von 16:20 bis 17:10 auf dem Platz war, war nicht zwingend zu viel! Stell dir mal vor, da wäre Musik gewesen, dann hätten alle schön gestanden und Musik gehört und es hätte keine Toten gegeben. Das Problem entstand wirklich erst, als viele auf diesen einen Nadelöhr-Sackgassen-Punkt, auf diese Falle namens Treppe hindrückten. Und das ist eben mehr Psychologie als Physik…
      (Klar, hier kann jede Disziplin ihren Anteil leisten… natürlich auch Biologie/Medizin für die Klärung, wie viel Druck und wie lange ein Mensch das aushalten kann… und ob nur das Liegen _unter_ anderen tödlich ist oder auch schon das gedrückte stehen… usw.)

    • Marc
      Posted 31. Juli 2010 at 11:28 | Permalink | Antworten

      @Falk

      Natürlich lässt sich in einem derartig großen Rahmen manches etwas anders berechnen, aber manches ist halt einfach Physik.

      Wir leben in modernen Zeiten und das heißt, wir sind den Naturgewalten nicht mehr willenlos ausgesetzt. Was viele vergessen, ist, dass viele unserer oftmals ungeliebten Vorschriften und Verordnungen nichts anderes sind als ein Schutz vor diesen unkontrollierbaren Gewalten. Das Vorhandensein von Notausgängen, Brandschutzverordnung, Sanitäter, Polizei und Feuerwehr, die vor Ort sein müssen, etc, all das soll für den „ordnungsgemäßen Verlauf“ einer Veranstaltung sorgen. Wären alle geltenden Vorschriften berücksichtigt worden, wäre entweder die Loveparade abgesagt oder erheblich teurer geworden. Aber, und das ist das Entscheidende, es hätte keine Massenpanik und Tote gegeben!
      Für mich ist die Ursache daher nicht die Physik, sondern die Verantwortungslosigkeit.

      • Luc
        Posted 31. Juli 2010 at 21:09 | Permalink | Antworten

        Sehr lobenswerte Dokumentation, die sicherlich zur Aufklärung beitragen wird.

        Eure Einschätzungen decken sich mit denen eines Fachmannes.

        Dirk Helbing in der NZZ:
        http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/nicht_aus_uebermut_oder_unachtsamkeit_niedergetrampelt_1.6972340.html

        Zur Frage der Treppe:
        „Hätte es ohne Treppe keine Panik gegeben?
        Das bezweifle ich. Den Fotos und Videos ist klar zu entnehmen, dass die Dichte extrem war, und dass die Leute sich in einer verzweifelten Situation befanden. Die Szenen gleichen denen, die ich auf Fotos und Videos von den Zuständen vor den Crowd Disasters in Mina bei Mekka gesehen habe.“

        Was anders hätte gemacht werden müssen:
        „Man hätte das Sicherheitskonzept an der erwarteten Teilnehmerzahl orientieren müssen, nicht an der Kapazität des Geländes.
        Man hätte genauer prüfen sollen, ob der Tunnel die erwarteten Menschenmassen überhaupt bewältigen kann, und zwar unter der Berücksichtigung des Umstands, dass sich die Kapazität bei hohen Dichten und bei entgegengesetzten Strömungen reduziert. 2006 trat ein ähnliches Crowd Disaster in Mina bei Mekka auf, bei dem die zuführende Rampe 40 Meter breit war und eine weitere Ebene nochmals dieselbe Kapazität hatte. 3 Millionen Pilger verteilten sich über 24 Stunden. Dennoch geschah der Unfall.
        Die entgegengesetzten Fussgängerströme hätten besser voneinander getrennt werden sollen.
        Die Zuführung hätte so gestaltet werden sollen, dass kein Engpass vor dem Tunnel entsteht, d.h. maximal genauso breit wie die verfügbare Breite für diese Richtung im Tunnel.
        Entlastungswege hätten verfügbar sein müssen, um Teilnehmer von einem überfüllten Gelände problemlos wegleiten zu können. Eine der Rampen hätte zum Tunnel genutzt werden können, die andere vom Tunnel weg.
        Der Zustrom hätte nicht nach dem Tunnel gestoppt werden sollen, sondern oberhalb der zuführenden Rampe, an einer Stelle, wo die Teilnehmer am Gelände vorbeigeleitet werden konnten.
        Es wäre gut gewesen, ein Konzept zu haben, um die wartenden und abgewiesenen Besucher, die eine lange Anreise hinter sich hatten, ebenfalls angemessen zu unterhalten.
        Eine genauere Beurteilung erfordert selbstverständlich wieder Detailinformationen.“

  10. msluckystar07
    Posted 6. August 2010 at 00:07 | Permalink | Antworten

    Die verhängnisvollen 8 Minuten von 16:54 bis 17:02

    Als Grundlage für die folgenden Schilderungen dienen u. a. die Videos von pizzamanne, struppi04, coolwojtek, mbreezer1, backtony (new assembled von helgem612), bstadtfilms und weitere Videos.

    Phase 1: 16:54 bis 16.56
    Um 16:54 verliert der erste Besucher die Nerven. Er hechtet sich vom Sockel unter dem rosa Plakat auf die Köpfe der Eingezwängten, versinkt aber aufgrund seiner geringen Körperfülle selbst in der Menge. In den nächsten 2 Minuten folgen 5 weitere Übersteigungen, welche die Lage in der Nähe der Treppe dramatisch verschärfen. Der Filmer Pizzamanne z. B. versinkt dabei selbst in der Menge.

    Phase 2: 16:56 bis 17:00
    Um 16:56 erfolgt der 1. Absturz des weißen Kletterers mit der kurzen Hose in der Mitte vor dem rosa Plakat, als er versucht sich an einem Seil hochzuziehen. Dadurch kommen weitere Personen vor dem Plakat in Schieflage. Bis 17:00 gibt es 5 dokumentierte Übersteigungen, darunter auch 2 Frauen. Zwischendurch etwa um 16:57 gibt es noch den Absturz des Kletterers mit dem knallgrünen Shirt und der weißen Hose von dem Schild links neben der rosa Tafel. Sofort danach erklimmt das grüne Männchen abermals das Schild und verharrt am rechten Rand des rosa Plakats.

    Phase 3: 17:00 bis 17:02
    Ziemlich genau um 17:00 setzt der parkende grüne Polizeiwagen, der etwa in Höhe des rosa Plakats steht, seine Fahrt fort. Im zügigen Schritttempo fährt er in Richtung Rampe. Genauso zügig gehen die Gäste hinter dem Wagen her. Der Strom hinter dem Wagen wird schnell immer breiter, da die bis dahin eingekeilten Menschen aus beiden Tunneln endlich weiter gehen können. Insbesondere die aus dem von Westen kommenden Tunnel nachströmende Menschenmenge baut Druck auf. Es gibt eine regelrechte Wellenbewegung, die von den eingekeilten Leuten vor der Treppe und denen vor dem dreieckförmig angeordneten Absperrgitter rechts von der Treppe zurück geworfen wird. Die zurück laufende Menschenwelle dauert etwa 4 Sekunden und wirft eine Traube von Menschen zwischen Plakat und Treppe um. Sie verknäulen sich ineinander. Einige erkennen ihre Chance jetzt die Treppe zu erreichen, indem sie die gestapelten, gegeneinander versetzten Menschen als Rampe benutzen. Kurz darauf gibt es mindestens weitere 8 dokumentierte Übersteigungen. Um 17:02 stürzt zu allem Überfluss das ursprünglich grüne Männchen jetzt mit weißem Shirt mitsamt der oberen Metallleiste des rosa Plakats in die bereits am Boden Liegenden und wird kurz darauf selbst zum Überkletterer.

    Ich bitte zum einen um Nachsicht für die verkürzten, hier zunächst aus Zeitgründen nicht detailliert dokumentierten Schilderungen und zum anderen auch um Kritik zu dieser Version der Geschehnisse.

    Vielen Dank an dieser Stelle an alle, die zu dieser Super-Dokumentation einen Beitrag geleistet haben und auch weiterhin an der Aufklärung arbeiten.

    • Daphne
      Posted 6. August 2010 at 00:27 | Permalink | Antworten

      Danke! Das würde sich mit den Videos von The1art1of1hell decken, wonach das Knäuel scheinbar zwischen 16:59 und 17:02:30 Uhr enstanden sein muss…

    • Posted 7. August 2010 at 20:28 | Permalink | Antworten

      Sehr gut zusammengefasst! Hab’s direkt mal unter „Analysen“ verlinkt.

  11. Posted 9. August 2010 at 16:18 | Permalink | Antworten

    Da magst Du völlig recht haben, aber anders als Du denkst. Man nhätte den nganzen Tag Menschen auf den Schienen gehabt, die Bahn hätte den Verkehr eingestellt und keiner wäre zur Loveparade gekommen.

    • Daphne
      Posted 10. August 2010 at 21:33 | Permalink | Antworten

      Hab schon überlegt, ob Menschen auf den Gleisen der tatsächliche Grund für die Einstellung des Bahnverkehrs war… oder ob man weitere Besucherzuströme verhindern wollte… um wieviel Uhr war denn das?

      • B.W.
        Posted 10. August 2010 at 22:15 | Permalink | Antworten

        Das Ganze war sowieso die große Verschwörung der Illuminaten. Das waren die gleichen, die auch die Fäden beim 11. September gezogen haben…

  12. videosevenD
    Posted 12. August 2010 at 10:47 | Permalink | Antworten

    Das Vorhandensein der Bauzäune und Sperrungen war die wichtigste Vorraussetzung für das Zustandekommen der LP in Duisburg 2010.

    Interview mit Hanns-Ludwig Brauser, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH zum Marketingwert der LP: http://www.ruhrnachrichten.de/anzeigen/sonderveroeffentlichungen/dortmund/osvrn/loveparade/art10028,310673
    (leider ohne Datumsangabe, aber mit Sicherheit VOR der LP aufgezeichnet):

    Allein der Marketing-Wert nach außen ist in Euro kaum zu beziffern. In den vergangenen Jahren haben im Internet per Livestream eine Milliarde Menschen in der ganzen Welt die Loveparade verfolgt. Experten sagen: Das entspricht einem Media-Wert von 30 Mio. Euro, der aber mit Anzeigen gar nicht zu erreichen wäre. Dazu kommt die interne Wertschöpfung durch die Besucher der Loveparade. Für Essen hat die Forschungsgesellschaft GfK einen Wert von gut 104 Mio. Euro ermittelt.

    Bild-Interview mit Schaller am 23.01.2010:
    http://www.bild.de/BILD/regional/ruhrgebiet/aktuell/2010/01/23/wirbel-um-loveparade-in-duisburg/jetzt-spricht-der-chef-rainer-schaller.html

    Schaller:
    „Die Loveparade 2008 hat Dortmund und der Region einen Umsatz von weit mehr als 100 Millionen Euro gebracht.“
    „Die Loveparade 2008 in Dortmund hatte weltweit mehr als eine Milliarde Medienkontakte. Der Anzeigen-Äquivalentwert hiervon liegt bei 40 Millionen Euro. Heißt also: Die Stadt Dortmund hätte, um dieselbe Aufmerksamkeit in der Welt zu erzielen, Anzeigen für 40 Millionen Euro schalten müssen“

    Der Veranstalter selbst nutzt die LP als günstigste Marketing-Kampagne, in einem Interview sagt er selbst, daß eine herkömmliche Werbekampagne mit dieser Reichweite McFit ein vielfaches kosten würde.
    LP Anteil Veranstalter & Sponsoren: 3 Mio. EURO
    LP Anteil Stadt Duisburg: 840.000 EURO

    Auf dieses Geld (direkter Gewinn oder Gewinn durch Einsparungen) waren sie alle scharf, die Verantwortlichen der Stadt und der Veranstalter. Doch die Stadt hatte kein Geld, um auch Ihren Kostenanteil für die Durchführung der LP zu tragen. Sie wollten ohne Einsatz den großen Gewinn machen.
    So wurde die Veranstaltung (fast?) zu 100% durch Sponsorengelder finanziert. Der Veranstalter selbst ist der Hauptsponsor.

    Der erhebliche Finanzierungsbedarf erzeugte Druck bei der Suche nach weiteren Sponsoren, der Veranstalter musste ihnen Gewinne in Aussicht stellen, möglichst konkret und verlockend hoch. Wie kann man als Veranstalter nun sicherstellen, daß die versprochenen Gewinne für alle auch eintreffen?

    Die Kosten extrem niedrig halten und die konsumierenden Menschen durch Einzäunung in den gewünschten Bereich zwingen:
    1. Darum gab es nur einen Ein-/Ausgang, jeder weitere hätte mit Ordnern (oder Polizisten?) besetzt werden müssen
    2. Darum gab es keinen Ein- oder Ausgang zur Autobahn: Über das unwegsame Gelände hätte eine temporäre Brücke gebaut werden müssen
    3. Darum gab es auf der Zugangsrampe Löcher im Boden, weitere Sanierungsarbeiten auf dem Gelände wäre nötig gewesen
    4. Darum gab es keinen freien Zugang „von allen Seiten“ auf das Gelände.
    5. Darum wurden Nebenstraßen in der Innenstadt abgeriegelt.

    • jakobswege
      Posted 15. August 2010 at 16:40 | Permalink | Antworten

      > Das Vorhandensein der Bauzäune und Sperrungen war die
      > wichtigste Vorraussetzung für das Zustandekommen der LP
      > in Duisburg 2010.

      Wielange standen diese Bauzäune auf der Rampe?

      Wer hat diese Bauzäume aufgestellt; denn in der Katastrophen-Planung der Feuerwehr ist nur der Zaun oben rechts an der Rampenböschung eingezeichnet?

      Gibt es Dokumente der Loveparade am Tag davor?

  13. Leo
    Posted 18. August 2010 at 15:00 | Permalink | Antworten

    Das Unverständliche ist für mich, dass die Nebenrampe erst so spät geöffnet wurde. Dies hätte zu einer Entlastung der Hauptrampe geführt.

    Am Besten wäre es gewesen, die Nebenrampe permanent geöffnet zu lassen und diese als einzigen Ausgang zu benutzen. Somit wäre die Hauptrampe der einzige Eingang gewesen und es hätte keinen Gegenstrom gegeben.
    Die Hauptrampe ware besser erst nach Ende der LoPa ebenfalls als Ausgang zuzulassen gewesen.

    So hätte man einen Kreisverkehr bauen können.

    Östliches Tunnelende: Ein- und Ausgang
    Hauptrampe: Eingang
    Nebenrampe: Ausgang (bis ggf ca. 20:00 Uhr)
    Westliches Tunnelende: Ein- und Ausgang

    Voraussetzung ist dabei, dass die Floats nicht gegen, sondern in Uhrzeigersinn fahren, um dort den gewünschten Menschenstrom zu erhalten. Sollte jedoch kein Problem sein.

    Vielleicht musste die Nebenrampe aber als Notausgang herhalten, um überhaupt annähernd die vorausgesetzten Fluchtwege (insbesondere Länge) einhalten zu können. Damit hätten sich die baurechtlichen Bestimmungen ad absurdum geführt.

    Weiß jemand, warum das nicht so wie oben beschrieben umgesetzt wurde?

    • Posted 18. August 2010 at 15:56 | Permalink | Antworten

      Genauso hat man es doch (fast) gedacht! Nebenrampe als alleiniger Ausgang und auf der Hauptrampe auch noch „ein bisschen“ Ausgang (keine Ahnung, ob sie die Ströme mit Bauzäunen trennen sollten oder es so gemischt sein sollte).

      Strikte Trennungen von Besucherströmen lassen sich schwer umsetzen, das geht nur mit sehr, sehr viel Aufwand an Absperrungen, Ordnern/Polizisten, Beschilderungen, Durchsagen, Pushern, und so weiter. Einfacher und besser ist es, von Anfang an viele Ein- und Ausgänge zur Verfügung zu stellen, wie auch der Kommentator B.W. betont hat.

      Dein Konzept beschreibt im Grunde nur, was man gemacht hat. Zuerst war die westliche Rampe Ausgang und ab ca. 16:15-16:30 hat man sie als Eingang komplett geöffnet.

      Dass hat aber kaum zur Entlastung beigetragen, weil schlicht viel zu viele Leute in den Westtunnel reingelassen wurden!
      Es gibt ja die Bilder, wie extrem überfüllt auch die Westrampe war (siehe https://loveparade2010doku.wordpress.com/2010/08/04/fullung-und-leerung-der-rampe-zeitablauf-aller-wichtigen-sperrungen-auf-der-loveparade/#nebenrampe ) und trotzdem staute es sich auch im westlichen Tunnelabschnitt vor der Hauptrampe, weil man nach der Öffnung der Westrampe dort keine Polizeikette eingerichtet hat, die Leute im Westtunnel davon abgehalten hätte, trotzdem geradeaus in Richtung Hauptrampe zu gehen.

      Hinzu kam die Problematik, dass viele gar nicht so recht wussten, wo es langgeht, es gab ja keine Flyer, Karten, Schilder oder Durchsagen.

      Vermutlich wäre es besser gewesen, wenn die Nebenrampe von Anfang an offen gewesen wäre. Aber es ist fraglich, ob das zur Entspannung ausgereicht hätte. Aufgrund der Enge der Nebenrampe hätte es möglicherweise auch dort zu großen Problemen geführt, bzw. hat es ja sogar schon, wenn auch nicht mit vielen Todesopfern.

      Wie man es auch dreht oder wendet, im Grunde hätte man für die erwarteten Menschenmengen von Anfang an mehr Zugänge anbieten müssen, d.h. Autobahn als Zugang einrichten, was Geld gekostet hätte für Behelfsbrücken und mehr Sicherheitspersonal. Und man hätte für deutlich mehr Kommunikation sorgen müssen.

      • Leo
        Posted 18. August 2010 at 21:03 | Permalink | Antworten

        Du hast im Grunde Recht. Die Geländezugänge hätten wahrscheinlich selbst mit zwei Rampen nicht ausgereicht. Und die Autobahn wollte man aus Kostengründen nicht öffnen.
        Mir kommt es so vor, als hätte man nur ein (fragliches?) Konzept für eine Evakuierung gehabt, aber kaum eine Idee, wie man die Menschen geordnet auf das Gelände führt.

        Warum stehen Polizeiwagen und Essensstände im Zugang?
        Warum hat niemand große Plakate an den Rampenwänden angebracht, die den Weg zur Parade zeigen?

        Ein eindeutiges, richtungsanzeigendes Plakat zur LoPa auf der Wand unterhalb der Mini-Treppe hätte vielleicht Schlimmeres verhindert. Ebenso über den jewiligen Tunnelöffnungen wäre dies Pflicht gewesen. Imho ein Versäumnis des Veranstalters.
        Jedenfalls hätte so eine lokale Enge vor der Treppe nicht entstehen können, da wenige Meter entfernt an der Rampe hoch genug Platz gewesen ist. Insbesondere, wenn man sich den Strom der Besucher, die die LoPa verlassen wollte noch wegdenkt.
        Natürlich hätte dies auch vorausgesetzt, dass der Ausgang (Nebenrampe)durch Hinweisschilder, Ordner, Polizei, etc. eindeutig kommuniziert wird.

  14. Bös
    Posted 22. August 2010 at 13:28 | Permalink | Antworten

    http://wikileaks.org/wiki/Loveparade_2010_Duisburg_planning_documents,_2007-2010

    wikileaks hats drin;)

  15. bloggi
    Posted 23. August 2010 at 04:28 | Permalink | Antworten

    Am Veranstaltungstage gab es zwei Probleme:

    Keine technische Möglichkeit, den Stecker zu ziehen, und das gesamte Gelände über die A59 zu evakuieren

    und

    keinen, der die Eier in der Hose gehabt hätte, das auch tatsächlich zu tun. Merke: Die Polizei kann mit einem Tatort immer dann am besten Umgehen, wenn das Verbrechen bereits passiert ist.

    Ansonsten wissen wir jetzt wohl, weshalb olympische Spiele jahrelang von hoch professionellen Teams vorbereitet werden, während hier einige Würmchen im Hauruck-Verfahren versucht haben, eine Megaveranstaltung zu organisieren, wie klein-Adolf sich das vorstellt.

  16. Posted 25. August 2010 at 21:24 | Permalink | Antworten

    Ich bin der Meinung ohne Absperrung hätte es nicht funktioniert, allerdings glaube ich hat man zu viel des „guten“ Bauzaunes verwendet. Schon allein wenn man die Gitter um sich herum noch wahrgenommen hat, wo es nicht so voll war, bekommt man Angst und ein beklemmendes Gefühl. Da einem die Möglichkeit der Flucht genommen wird.
    Megaphon hin oder her, was bringt dir das beste Megaphone, wenn die Leute in Panik sind. Es war so laut, das man seinen fast Nebenmann nicht gehört hat. Ich denke mal das unter anderen ein Problem gewesen ist, das niemand der Führung bereit war die Verantwortung zu übernehmen die Tore zu öffnen. Erst als man glaubte, es kann jetzt eh nicht mehr schlimmer werden, war man bereit dieses zu tun, zumindest an gewissen Stellen. Die Bezüge eines Vorgestzten bzw. eines Leiters, wollen sie alle gerne haben, bloß sie sich „verdienen“ das tut keiner da oben. Als Vrogesetzter sucht man erst das Gespräch zum noch höheren Vorgesetzten, den aber zu erreichen ist ne andere Sache. In meinen Augen ist jeder der Führung feige gewesen die Entscheidung zu treffen.

  17. julius
    Posted 30. August 2010 at 01:15 | Permalink | Antworten

    Wen es weniger Zäune gegeben hätte hätte es wahrscheinlich auch weniger Probleme gegeben.

    es wurden insgesamt etwa 12 km verbaut.

    vergleicht mal das Luftbild
    von http://www.luftbild-west.de/images/djcatalog/loveparade_240710%20015_a.jpg

    mit dem Lageplan vom
    19.Juli 2010
    Steffan Sasse Produktionsleiter
    lopavent GmbH
    7113144094.pdf

    das Bild perspektivisch entzerren und über den Lageplan legen.
    Erheblicher Unterschied zwischen Plan und Realität.
    und erklärt warum es im oberen Bereich der Rampe immer zu Stauungen kam, besonders wenn Floats durch diesen Bereich führen.
    möglicherweise war das Stoppen der Floats sogar ein Versuch in diesem Bereich für Entlastung zu sorgen,
    dann währe es aber sinnvoller gewesen, in diesem Bereich Bauzäune abzubauen.
    nur dummerweise hatten die Ordner keine „Spezialschlüssel“ um sie auseinanderzuschrauben .
    und auch niemanden der das angeordnet hätte.
    Dem Ordnungsamt ist es anscheinend auch nicht aufgefallen.

    mfffffgggg

  18. Micha
    Posted 1. August 2011 at 21:21 | Permalink | Antworten

    …keine Ahnung, wo ich das sonst posten soll:

    Die Lichtmasten, das waren doch nur mobile Masten, also nur für die Loveparade dort aufgestellt und nicht fest einbetoniert, richtig?

3 Trackbacks

  1. […] MatthyK fasst die zwei wichtigsten Faktoren zusammen: Entspannung brachte letztendlich, die Rampe bereits oben für die rauswollenden Menschen zu sperren und das die zum Ausgang strömende Menschenmasse auf der Rampe irgendwann soweit abgeflossen war, dass sie die in umgekehrter Richtung strömende nicht mehr blockierte. […]

  2. […] https://loveparade2010doku.wordpress.com/2010/07/31/aufruf-mbreezer-bitte-melde-dich/ https://loveparade2010doku.wordpress.com/2010/07/29/eine-gewagte-these/ […]

  3. […] Thesen „Hätte es GAR keine Bauzäune und Sperrungen gegeben, wäre das Unglück nicht passiert“ und andere Thesen darüber, wie die Katastrophe entstand und wie sie hätte vermieden werden können. […]

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